Nxai Pan
Es ist Ende März.
Vierzig Kilometer Tiefsand. Mindestens vierzig km/h. High 4.
Keep in motion, sagen die Australier.
Das Auto fährt sich wie ein Schnellboot.
Auf halber Strecke zweigt die Piste zu Baines Baobabs ab. Diese weltberühmten, gigantischen Urzeitbäume im Kontrast zur endlosen, weißen Salzebene.
Zurzeit leider ein No-Go. Denn completely overflooded.
Sehr schade!
Die Straße endet am Game Scout Camp. Bei der Einfahrt muss ich mich gedulden, bis ein Elefantenbulle von seinem Baum ablässt und ein paar Meter weiterzieht.


Für heute Nacht ist noch genau ein Campsite frei. Danach ist alles ausgebucht. Zehn Campsites in einem Gebiet von der Größe des Saarlands.
Mal sehen.
Das Camp liegt unter den letzten Baumreihen. Dahinter öffnet sich die Weite der Pfanne.
Die Ablutions sind hervorragend ausgestattet und gesichert wie Fort Knox. Hohe Zäune, Stacheldraht und am Boden Betonspikes gegen Elefanten.
Damit hätte ich hier nicht gerechnet.
Andererseits ist es logisch.

Elefanten sind hier Dauerpräsenz, Löwen auch.
Mein Nachbar fährt einen Unimog. An den hat sich versuchweise ein Elefant zum Schlafen angelehnt.



Alles andere ist Wildnis.
Es fühlt sich hier anders an als in der Central Kalahari.
Dort kam ich mir wie ein Eindringling vor. Hier eher wie Eingeladen.
Ich entzünde ein Lagerfeuer. Der Abend ist tiefblau.
Nach Sonnenuntergang möchte ich noch eine Weile draußen sitzen.
Die Hyänenrufe kommen aus unangenehmer Nähe. Das Feuer bekommt deshalb ausreichend Nahrung.
Die Fahrzeuge stehen weit genug auseinander, dass Elefanten problemlos dazwischen hindurchschleichen können.
Am nächsten Morgen auf der Pirsch sehe ich sie endlich.
Die Herden. Große Herden.

Springbok Soup. Ich fahre mitten hinein.
Überall Bewegung. Tiere ziehen durch das Gras, kreuzen die Piste, verschwinden und tauchen wieder auf. Das Auge kann kaum erfassen, wie viele es tatsächlich sind.


Genau deswegen bin ich hierhergekommen. Der Ranger in der Central Kalahari hatte recht.
Die Herden sind nach Norden gezogen.
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Lagerfeuer
Abends sitzen wir gemeinsam am Lagerfeuer. Es gibt Toast-Sandwiches und leckeres Grillfleisch. Der Salat ist einfach: Gurken, Tomaten und Oliven. Dirk ist Anwalt in Stellenbosch und hat von dort guten Wein mitgebracht. Er ist mit seinem Sohn in einem Unimog unterwegs. Es ist ihre letzte Vater-Sohn-Tour, bevor am Jahresende die Hochzeit ansteht.

Das jüngere kanadische Pärchen lebt seit vielen Jahren in Hongkong. Wir tauschen Erfahrungen aus und erzählen Geschichten. Wer sich am Ende der Welt trifft, hat meist zu viele Gemeinsamkeiten, um sie nicht miteinander zu teilen.
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Ok, schon wieder Löwen
Wir lassen das Lagerfeuer langsam herunterbrennen, und die Kanadier ziehen sich zurück. Plötzlich ein Schrei:
„Löwen im Camp!“
Wildes Herumleuchten am Auto der Kanadier. Wir springen auf. Um uns herum komplette Dunkelheit.
Ich klettere mit dem Sohn auf das Dach des Unimogs, um besser sehen zu können. Der Vater legt neues Holz ins Feuer. In unserem Taschenlampenlicht erkennen wir zwei Löwen, die hinter dem Auto der Kanadier vorbeiziehen. Der Kanadier steht auf der anderen Seite seines Fahrzeugs und kann sie nicht sehen.
„Sofort ins Auto!“, rufe ich vom Dach herunter.
Er versteht sofort. Ohne nachzufragen verschwindet er im Wagen.
Mit den Lampen verfolgen wir die Tiere, sehen sie an den Fahrzeugen vorbeiziehen und schließlich wieder in den Büschen verschwinden. Von dort aus beobachten wir, wie sie über die offene Pfanne weiterziehen. Sie sind nur auf der Durchreise zu dem, was Löwen nachts eben so treiben.
Die Kanadierin zittert noch immer. Beim Zähneputzen hatte sie auf der anderen Seite des Autos Augen in den Büschen gesehen, vielleicht fünf Meter entfernt. Diese Augen seien langsam immer höher gewandert, bis schließlich ein Löwe aus dem Gebüsch trat. Erst in diesem Moment habe sie begriffen, was sie da eigentlich vor sich hatte.
Es gibt einen Schluck Brandy.
Vor drei Wochen hatte sie sich von ihren Freundinnen in Hongkong verabschiedet. Die hatten sich Sorgen gemacht wegen Löwen, die nachts durchs Camp spazieren. Sie hatte natürlich gelacht und erklärt, so etwas gebe es nicht. Das passiere nur in Büchern. Alles sei völlig sicher.
Diese Geschichte wird sie künftig etwas anders erzählen.
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Freunde
Am nächsten Morgen fahren die Kanadier weiter – um eine Erfahrung reicher.
Die Südafrikaner nehmen mich herzlich auf ihrer Campsite auf. Eigentlich hätte das gar nicht sein müssen, aber die Fahrzeuge, die dort stehen sollten, sind irgendwo im Schlamm stecken geblieben.


Wir verbringen wunderbare Tage und Abende zusammen. Oft fahren wir gemeinsam auf Pirsch. Wir beobachten große Herden von Zebras und Giraffen, sehen einsame Elefanten durch die Weite ziehen, von Baum zu Baum wandernd und fressend.
Abends sitzen wir auf den Autodächern am Wasserloch, trinken südafrikanischen Wein und ich lege türkische Lounge-Musik auf.
An einem der letzten Abende wird mir eine Frage gestellt, die mich noch lange beschäftigen wird:
„Bist du eigentlich ein typischer Deutscher?“
Ja? Nein?
Wir setzen unsere Reise schließlich in unterschiedliche Richtungen fort. Beim Abschied wissen wir beide Seiten, dass wir uns wiedersehen werden. Wenn nicht unterwegs, dann irgendwann in Kapstadt.
Denn mein Weg führt weiter zu den Baobabs.
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Baines Baobabs
Ein Muss auf jeder Botswana-Bucket-List, wie man heute sagt.
Seit einer Woche hat es nicht mehr geregnet. Die Bedingungen müssen einfach besser sein. Also verlasse ich die Tiefsandrallye auf halber Strecke und fahre nach Osten zu den Salzpfannen und den berühmten Baobabs.
Als ich an die erste Wasserdurchfahrt komme, sinkt mein Mut allerdings etwas. Gut 80 bis 100 Meter Wasser liegen zwischen mir und dem anderen Ufer, und die Bäume sind noch lange nicht in Sicht.

An der Wasserkante entdecke ich die Spuren großbereifter Allradfahrzeuge. Sie sind bis hierher gefahren, haben sich die Sache angesehen und sind wieder umgedreht.
Na danke.
Ich stärke mich mit ein paar Keksen und gehe zu Fuß los. Schuhe aus, Hosenbeine hochgekrempelt bis zur Mitte der Oberschenkel – das ist meine Benchmark.
Das Wasser ist klar und salzig. Der Grund gut sichtbar. Die ersten Zentimeter fühlen sich weich an, darunter wird es fest. Auf der anderen Seite angekommen stelle ich fest: Das Wasser ist nirgendwo tiefer als siebzig Zentimeter, der Untergrund durchgehend hart und überhaupt nicht schlammig.
Also: high4 rein und los.
Der Grip ist überraschend gut. Vor dem Auto schiebt sich eine saubere Bugwelle her. Auf halber Strecke fällt mir auf, dass ich die Seitenfenster nicht geschlossen habe. Halb so schlimm.
Am anderen Ufer angekommen ist kein Tropfen Wasser eingedrungen.
Gut so. Weiter.
Vor der nächsten Tiefschlammpassage hatten mich die Südafrikaner gewarnt. Hier hatten sie ihren Unimog versenkt und einen halben Tag gebraucht, um ihn wieder herauszubekommen. Danach waren sie zu Fuß weitergegangen bis zu den Baobabs.
Also kann es nicht mehr weit sein.

Ich steige aus. Durch diesen Schlamm werde ich sicher nicht zu Fuß laufen. Stattdessen entdecke ich frische Löwenspuren, die in Richtung der Bäume führen. Wahrscheinlich von gestern Abend. Vielleicht sind die Tiere sogar noch dort.
In diesem Moment kommt ein Ranger-Fahrzeug angefahren. Einer dieser hochbeinigen Land Cruiser, die einfach nicht totzukriegen sind.
Die Ranger wollen nachsehen, wie weit die Strecke inzwischen wieder befahrbar ist.
Wir beschließen, es gemeinsam zu versuchen.
Ich löse sicherheitshalber das Seil meiner Winde und warte. Die Ranger suchen sich eine gute Linie und pflügen rodeoartig durch den Schlamm. Auf der anderen Seite bleiben sie stehen.
Jetzt bin ich dran.
Diesmal ist Geschwindigkeit gefragt. Mein Fahrzeug wiegt über drei Tonnen. Das Auto springt und schüttelt sich gewaltig, arbeitet sich aber Meter für Meter durch den Morast.
Dann bin ich durch.
Super.
Von dort geht es auf einem leicht erhöhten Damm weiter Richtung Baobabs. Je näher wir kommen, desto spektakulärer wirken diese Riesen. Mitten im Wasser stehen sie auf ihrer kleinen Insel, als wären sie dort absichtlich platziert worden.


Die ersten Fahrzeuge des Jahres.
Wir parken direkt vor den Bäumen.

Und dann wird mir etwas bewusst.

Ich sitze hier unter Bäumen, die sich seit mindestens dreihundert Jahren kaum verändert haben.

Die Zeit scheint stillzustehen.
Das viele klare Wasser macht die Szenerie noch surrealer. Im blassen Blau spiegeln sich Wolken, Vögel, Sonne und die gewaltigen Baumkronen.

Alles wirkt gleichzeitig vollkommen ruhig und völlig unwirklich.
Heftig.
Bucket List hin oder her – allein dafür hat sich der Weg gelohnt.
Viel cooler als Löwen im Camp.
Eigentlich hatte ich vor, hier zu übernachten. Dafür hätte ich allerdings allein zurückfahren müssen.
Ich komme wieder.
Die Rückfahrt verläuft genauso wie die Hinfahrt. Danach sieht das Auto wieder aus wie Sau.
Die Fahrt zurück zur Hauptstraße fühlt sich dagegen fast wie ein Spaziergang an. Die Nacht in der Leopard’s Lodge schließlich wie das reinste Schlaraffenland.

Bevor ich schlafen gehe, spritze ich noch die Radlager und Bremsen aus. Mit der Mischung aus Salzwasser und Schlamm könnte man hier Häuser bauen.
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Wohin?
Die Entscheidung für die nächsten Tage ist nicht einfach.
An der Nordgrenze Botswanas regnet es immer noch kräftig. Die weltberühmten Makgadikgadi-Pfannen stehen voller Wasser und sind unpassierbar. Eigentlich wollte ich dorthin.
Also erneut umplanen.

Ich werde wieder nach Süden fahren und die Pfannen großräumig von Westen umrunden. Das Land hat ohnehin weit mehr zu bieten als die Punkte auf irgendeiner Bucket List.
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Boteti
Westlich der Pfannen meandert der Boteti nach Süden. Zum ersten Mal seit vier Jahren führt er wieder Wasser, und die gesamte Tierwelt scheint das zu feiern.
Auf der Ostseite des Flusses liegt ein bekanntes Camp. Es befindet sich an der einzigen Stelle weit und breit, an der bei hohem Wasserstand eine kleine Fähre eingesetzt werden kann.
Ich nehme den direkten Weg von der Hauptstraße und fahre etwa sechzig Kilometer quer durchs Buschland. Die Strecke ist meist sandig, aber gut zu fahren.

Je näher ich dem Fluss komme, desto mehr Elefantenspuren kreuzen meinen Weg. Manche verlaufen parallel zur Piste, andere schneiden sie immer wieder. Hier ist offensichtlich viel Bewegung.
Ich nehme den Fuß etwas vom Gas.
Dann erreiche ich die Abbruchkante.
Vor mir öffnet sich eine völlig andere Welt.

Der Boteti zieht in weiten Schleifen durch die Landschaft, teilt sich in Nebenarme und glitzert in der Sonne. Auf den Sandbänken liegen Flusspferde.
Okay.
Jetzt weiß ich, warum dieser Abschnitt Hippo Pools heißt.

Die steilen Böschungen finden sich nur in den Außenkurven. Dazwischen laufen die Ufer sanft zum Wasser hinunter. Auf den saftig grünen Wiesen grasen Elefanten. Direkt am Ufer liegt ein Krokodil und sonnt sich mit weit geöffnetem Maul.
Das Camp muss warten.
Ich fahre mitten hinein in dieses Gewimmel.
Später sitze ich auf meinem Autodach, esse mein Lunch und lasse den Blick schweifen.




Überall Leben.
Flusspferde im Wasser, Elefanten auf den Wiesen, Vögel in der Luft.

Für einen Moment muss ich an die Arche Noah denken.
Alles scheint hier versammelt zu sein. Und erstaunlicherweise wirkt alles friedlich.
Eine seltene Momentaufnahme.
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Khumaga
Das berühmte Khumaga Camp ist fast leer.
Kein Problem, einen Platz zu bekommen.
In den vergangenen zwei Wochen ist der Fluss deutlich angeschwollen. Fahrzeuge können ihn nur noch mit erheblichem Risiko durchqueren. Die Fähre ist seit vier Jahren außer Betrieb.
Perfekt, dass ich von Osten gekommen bin.
Ich richte mich auf meiner Campsite ein und genieße die Ruhe. Nach den vielen Kilometern fühlt sich dieser Platz genau richtig an.
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Ferryboat
Ein Problem gibt es allerdings. Es gibt kein Feuerholz.
Also fahre ich zur Fähranlegestelle. Vielleicht kann ich durch den Fluss waten und im nächsten Dorf Holz besorgen.

Auf beiden Uferseiten stehen Fahrzeuge und warten.
Gerade versucht ein offener Safari-Land-Cruiser den Fluss zu durchqueren. Die Bugwelle schwappt deutlich über die Motorhaube, aber er schafft es. Als er das andere Ufer erreicht, läuft das Wasser an allen Ecken wieder heraus.
Die Touristen auf den erhöhten Rücksitzen sind trocken geblieben.
Nichts für mein Auto.
Auf der anderen Seite der Fähre wird gearbeitet. Eine Flex kreischt, Metall wird gehämmert.
Offenbar soll die Fähre heute oder morgen wieder in Betrieb gehen.
Das Feuerholz liegt auf der anderen Seite.
Also wate ich durch den Fluss.
Dort treffe ich Heiko.

Einer dieser Afrikaner, deren Lebenslauf vermutlich mehrere Bücher füllen würde. Wir unterhalten uns auf Englisch, Afrikaans und zwischendurch sogar auf Deutsch.
Im alten Overall, völlig durchnässt und mit ölverschmierten Händen, arbeitet er an der Fähre.
„Wenn man nicht selbst mit anpackt, dauert das hier noch Wochen“, meint er.
Also packe ich mit an.
Er schweißt, ich schraube.
Viel fehlt nicht mehr.
Anschließend ziehen wir gemeinsam das Zugseil durch den Fluss, spannen es und befestigen es auf beiden Seiten. Über dieses Seil wird die Fähre später von Ufer zu Ufer bewegt.

Dann kommt der Moment der Wahrheit.
Wir wollen ausprobieren, ob alles funktioniert.
Im ersten Fahrzeug sitzt eine Australierin, die sich jedes Jahr durch Afrika chauffieren lässt. Sie möchte ebenfalls ins Camp.
Als ihr Guide erfährt, dass es dort kein Feuerholz gibt, wird er leicht nervös.
Ich erkläre ihm, dass man im Dorf problemlos Holz bekommt.
Dafür verspricht er, mir welches mitzubringen.
Der Wasserstand ist noch zu hoch, um trocken auf die Fähre zu gelangen. Die Fahrzeuge müssen zunächst einige Meter durch den Fluss fahren, über eine Rampe auf die Fähre, mehrere Meter hinüberziehen und auf der anderen Seite wieder ins Wasser zum anderen Ufer.

Für den Landrover kein Problem.
Die erste Überfahrt gelingt.
Das Dorf freut sich. Der Beruf des Fährmanns genießt ein hohes Ansehen.
Später trinken Heiko und ich einen Kaffee aus meiner Bordküche. Wir reden über unsere unterschiedlichen Lebenswege, tauschen WhatsApp-Kontakte aus und gehen schließlich wieder unserer Wege.
Er wohnt in Maun, besitzt mehrere Lodges in Botswana und ein Reiseunternehmen. Seine Erfahrung wird mir später noch oft helfen.
Uns hat buchstäblich eine Fähre zusammengeschweißt.
Mit meinem Feuerholz fahre ich zurück ins Camp.
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Campsite
Eine Campsite bedeutet zunächst einmal nur einen zugewiesenen Platz.
In meinem Fall liegt er unter einem Mopane-Baum, der zumindest etwas Schatten spendet. Dazu gibt es eine Feuerstelle. Der Ablution Block befindet sich in der Mitte von fünf Stellplätzen, die jeweils ungefähr hundert Meter voneinander entfernt liegen.
Genug Abstand also, um das Gefühl zu haben, allein in der Wildnis zu sein.

Elefanten sind allgegenwärtig. Die meisten ziehen friedlich durch das Camp und kümmern sich nicht weiter um die Menschen.
Die eigentlichen Nervensägen sind die Paviane.

Alles, was irgendwie essbar aussieht, wird untersucht, gestohlen oder zerstört. Oft alles gleichzeitig.
Einmal haben sie meine Kaffeedose erwischt. Doppelt gesichert, in einer Tupperdose verstaut. Hochwertiger Kaffee aus einer kleinen Rösterei in Windhoek, auf Kameldornholz geröstet.
Ich war nicht bereit, kampflos aufzugeben.
Der Pavian macht den Fehler, sich mit seiner Beute auf einen freistehenden Baum zurückzuziehen.
Ich renne fluchend hinterher und werfe alles nach ihm, was ich finden kann.
Irgendwann verliert er die Lust und lässt die Dose fallen.
Nur eine der Verschlusskappen hat er bereits angeknabbert.
Die Paviane gewinnen meistens, nicht immer.
Der Kaffee ich schmeckt danach noch mal deutlich besser.
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Hippo Pools
Die Fahrt zu den Flussufern ist entspannt.
An vielen Stellen kann man die Böschungen in high4 problemlos hinunterfahren und später wieder hinauf. Unten gibt es genügend festen Untergrund und bereits ausgefahrene Spuren.
Immer wieder muss ich warten, bis Elefanten den Weg freigeben.
Manche ziehen gemächlich vorbei und würdigen mich keines Blickes. Andere machen deutlich, dass sie lieber mehr Abstand hätten – ein junger Bulle mit schlechter Laune, oder eine Herde unterwegs mit Babys.
Dann sitze ich wieder in meinem Auto, mitten in einer Welt, die eigentlich den Tieren gehört.
Wenn ich mich einmal um dreihundertsechzig Grad drehe, sehe ich sie überall.
Elefanten.
Impalas.
Zebras.
Kudus.
Büffel.
Flusspferde.
Ein Krokodil, das bewegungslos am Ufer liegt und döst.

Und als wäre das alles noch nicht genug, mitten in dieser Szenerie ein Löwenpaar.
Keine dreißig Meter vom Auto entfernt.

An Jagd ist allerdings nicht zu denken.
Die beiden haben andere Prioritäten.
Seit Stunden sind sie mit der Paarung beschäftigt und nehmen von ihrer Umgebung kaum Notiz.

So sitze ich einfach da und beobachte.
Das Tierreich hat mir eine Momentaufnahme geschenkt, die ich nie vergessen werde.
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Unimog
Am nächsten Tag taucht Dirk mit seinem Unimog auf.
Von der falschen Seite des Flusses. Meine WhatsApp-Bilder haben aber ihren Zweck erfüllt.
Inzwischen ist der Boteti weiter angeschwollen. Die meisten Safari-Fahrzeuge können den Fluss nicht mehr durchqueren. Zum Glück gibt es für sie wieder die Fähre.
Ein kleines Problem für den Unimog, er wiegt sechs Tonnen. Zu viel für die arme Fähre.
Wir räumen vorsichtshalber die Radlagerbehälter aus und kontrollieren die Türdichtungen. Danach fährt Dirk neben der Fähre direkt durch den Fluss.

Was für ein Ungetüm.
Zeitweise steht das Wasser bis an die Türen.
Der Mog schiebt sich trotzdem unbeirrt hindurch.

Auf der anderen Seite wird alles trockengelegt und überprüft.
Keine Schäden.
Keine Überraschungen.
Danach knüpfen wir genau dort wieder an, wo wir uns einige Tage zuvor verabschiedet hatten.
Es folgen weitere starke Tage. Gemeinsame Pirschfahrten. Lange Abende am Lagerfeuer.

Geschichten, die mit jedem Glas Wein etwas besser werden.
Und immer wieder diese Landschaft — wie ein Smiley.

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