Kategorie: Allgemein

  • 03 – Freunde & Namibia Norden

    Swakop



    Swakop

    Swakop ist ein bisschen nach Hause kommen. Hier habe ich zuerst vor 30 Jahren gearbeitet. Das war noch die Zeit, in der ich Rüdiger kennengelernt habe, und er war damals Chef des State Hospitals. Schon damals habe ich bei ihm gewohnt und die namibische Gastfreundschaft kennengelernt.

    Manchmal schreiben wir, dann wieder jahrelang nicht. Es ist egal für die Freundschaft.

    Frank

    Das Gleiche ist mit Frank, der inzwischen ein Aviation-Unternehmen hat. Wir waren kaum über 20. Ich brauchte damals eine Mitfahrgelegenheit von Windhuk nach Swakopmund. Er war dort zum medizinischen Check-up für seinen Pilotenschein. Der behandelnde Arzt hat mir den Mitflug organisiert. Seitdem haben wir einige Erlebnisse miteinander gehabt. Fliegen verbindet.

    Ich treffe ihn spontan mittags, und wir trinken Bier. Ich glaube, es waren vier. Dann muss er weiter. Aber ich weiß, dass ich ihn in zwei Wochen auf der Farm besuchen kann, weiter oben im Norden. Es steht noch ein Helikopterflug aus, den er mir versprochen hat.

    Bravo

    Ich treffe Bravo und wir schauen uns seine Schule an. Klein und unscheinbar. In einer der nicht besten Gegenden von Swakop. Er geht öfter raus, um nach meinem Auto zu schauen. Ich bin beeindruckt, was er versucht aufzubauen. Aber nichts läuft hier ohne Geld. Die Zulassung ist schwierig. Wir vereinbaren, dass er sich wieder meldet, wenn er einen Businessplan zusammengestellt hat, und bleiben auch die nächsten Tage in Kontakt.

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    Henties Bay

    Dann besuche ich Esté und Reghardt in Henties Bay. Sie ist die älteste Schwester der Familie aus Kapstadt, die mir damals sehr ans Herz gewachsen war. Wir frischen alte Erinnerungen auf.

    Diese Familie zeigt, wie viel Tragödie in einem Leben vorkommen kann. Ihre Schwester Helien ist vor fünf Jahren an Krebs gestorben, ihr Mann Hansi an einem Virus. Ihr Bruder hat sich aufgrund eines schweren Spinalkanaltumors mit massiven Schmerzen das Leben genommen. Sie selber hat zwei Tumorerkrankungen hinter sich. Diesmal ist nur der Vorfuß gebrochen.

    Es ist dennoch schön zu sehen, wie man hier in Afrika mit diesen Widrigkeiten umgeht und sich letztendlich weiter zurechtfindet. *That is nature*, werde ich noch öfter hören auf meiner Reise.

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    Messum-Krater und Brandberg

    Die Fahrt geht weiter. Es geht in den Norden. Ich fahre direkt durch den Messum-Krater, eine riesige Mondlandschaft. Viel Weg ist nicht mehr zu sehen. Hier hatte mal ein Meteorit eingeschlagen. Auf dem Mond kann die Bodenbeschaffenheit auch nicht schlechter sein.

    Mein Auto wühlt sich durch bis zum Brandberg. Auf der Westseite schlage ich mein Lager auf. Auf dem Sand gibt es wieder Büsche. Unter den Sternen hänge ich abends dem zuletzt Erlebten im Zusammenhang mit meiner Vergangenheit nach.

    Das nächste Ziel ist die Farm von Frank. Da stand ja immer noch der gemeinsame Flug aus. Natürlich war das nur der Fanfaktor. Wir mussten auch noch einige Zeit aufarbeiten.

    Dafür muss ich erst mal den Brandberg umrunden. Dieser Berg ist kreisrund, ähnlich wie der Messum-Krater, groß im Ausmaß und fast zweieinhalbtausend Meter hoch. Vor Jahren haben wir ihn mal bestiegen, nachts bei Vollmond. Tagsüber ist es zu heiß. Zum Glück ist kein Vollmond.

    Huab

    Ich fahre diesmal nach Koordinaten, die mir Frank gegeben hat. Irgendwo zwischen Khorixas und Kamanjab, in der Mitte von Namibia, ist der Abzweig den Huab hinauf. Bis dahin sind es ungefähr 200 Kilometer auf Gravel, einmal überquere ich eine Teerstraße.

    Der Huab führt in diesem Bereich kein Wasser. Die Regenzeit hat noch nicht richtig angefangen. In der zunehmenden Talenge finden sich auf der Sohle Büsche und Kameldornbäume. Viel Grundwasser.

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    Franks Farm

    Und hier liegt die Farm, eher eine Lodge. Frank hat sie komplett ausgebaut und einen großen Lapa davorgesetzt, diese strohgedeckten offenen, großzügigen Anbauten, die schon fast ein eigenes Haus sind.

    Durch dieses Tal ziehen immer wieder Wildtiere durch, Zebras, Kudus, und vom Oberlauf kommen Elefanten herunter, aber nicht sehr oft.

    Wir sitzen im Swimmingpool, haben ein leckeres Braai, trinken natürlich viel Bier. Ein Wochenende wie aus alten Tagen.

    Bohrlöcher und Solar

    Morgens fahren wir die fünf Bohrlöcher ab und kontrollieren die Solaranbindung. Die Wasserqualität ist gut.

    Flug mit dem Chopper

    Am Nachmittag lädt mich Frank zu einem Erkundungsflug mit seinem Chopper ein. Als Pilot hat er natürlich einen kleinen Airstrip und Hangar angelegt. Kaum sind wir 20 Meter über den Bäumen, verändert sich die Umgebung. Die Landschaft gewinnt eine neue Qualität.

    Die Zebras stieben davon, wir folgen ihrem Lauf, fliegen die Bergkämme ab und überfliegen den Huab, bis das Tal zu eng wird. Elefanten konnten wir heute nicht sehen. Wir drehen um und inspizieren auf der Anhöhe noch die Satellitenanlage. Die dritte Dimension bleibt etwas Besonderes.

    Allein auf der Farm

    Am nächsten Tag muss Frank den Chopper zur Inspektion nach Windhuk fliegen. Ich bleibe noch zwei Tage allein auf der Farm und genieße die Ruhe. Die Zeit für etwas Internetarbeit ist auch fällig. Es hängt doch noch einiges aus dem letzten Jahr hinterher: Rechnungen, Bank, Versicherungen, Steuer.

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    Petrified Forest

    Am nächsten Tag fülle ich den Wassertank mit dem frischen Brunnenwasser noch auf. Dann geht es weiter Richtung Norden. Der Reifendruck bleibt angepasst für Gravel.

    Ich halte beim Petrified Forest. Bei meinem ersten Besuch vor 35 Jahren dachte man, dass hier wirklich ein Wald gestanden hatte. Inzwischen weiß man, dass die Pinien aus Zentralafrika angeschwemmt worden sind und hier nur hängen geblieben sind. Das hier ist eine ganz andere Zeitgeschichte, die nicht ganz einfach zu begreifen ist.

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    Palmwag

    Die Palmwag-Konzession ist mein nächster Stopp. Der letzte Rangerposten vor dem Kaokoveld ist inzwischen eine touristische Lodge. Aber es ist ja Nebensaison, viel mehr Personal als Reisende.

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    Sesfontein

    Ich warte die durchgehende Regenfront ab und fahre dann am nächsten Tag nach Sesfontein. Hier ist die letzte Tankmöglichkeit vor dem harten Nordteil von Namibia. Aufgefüllt wird, was man dabeihat. Unter 200 Litern Sprit sollte man nicht weiterfahren.

    Die Tanke hat keine Möglichkeit für Kreditkarten. Mein Bargeld war zur Neige gegangen, Dollar wurden nicht akzeptiert. Also fahre ich mit dem Tankwart durch den Ort, von einer kleinen Spelunke zur nächsten, um Dollars zu tauschen. Da die allerwenigsten überhaupt Bargeld haben, hatte ich, bis ich die richtige Menge zusammenhatte, inzwischen das ganze Dorf kennengelernt. Vielleicht sollte man es immer so machen.

    Obwohl die Gemeinde eine große Schule für die ganze Region unterhält, gibt es keinen Geldautomaten. Sie warten seit zehn Jahren.

    Purros

    Ab hier geht es dem Auto so richtig ans Leder. Die Straße nach Purros wechselt von Gravel zu Wellblech, hartem Gestein, steilen Passagen mit extremen Steigungen, bis zu kilometergroßen Sandpfannen, Hart- und Tiefsand. Die Geschwindigkeit wechselt zwischen 5 km/h und 80 km/h in den Sandpfannen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist eher 40. Der Allrad spielt alle seine Möglichkeiten aus: High 2, High 4, Low 4, Diff Lock. Das ABS muss ausgestellt werden, es möchte zu oft eingreifen.

    Ich komme spät abends in Purros an. Es ist kein Ort, sondern eine Agglomeration. Eine Wellblechhütte handelt mit wenigen Haushaltswaren. Alles zum zwei- bis dreifachen Preis. Aber ich bin ja ausgestattet.

    Im Ort gibt es nur tiefen Sand. Das ist wie Tiefschnee fahren, nur mit dem Auto. Auch der Ort ähnelt in einer bizarren Weise eher einer Almhütten-Anordnung auf einer Hochweide.

    Nacht in Purros

    Nachts hört man, wie die Elefanten die Kameldornbäume schütteln, um danach die Schoten aufzusammeln.

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    Dux

    Morgen kommt Dux vorbei. Er leitet hier das Camp. Wir trinken Kaffee und erklären uns viele unterschiedliche Sichtweisen. Er beschreibt mir den Weg zum Marienfluss. Die Gefahren, die beschwerlichen Kahnfahrten, die Passquerung. Das herrliche Panorama.

    Mein Satellitentelefon funktioniert hier weit unten im Süden an der Westküste nicht mehr. Ich notiere mir seine Telefonnummer und verspreche, die Weiterfahrt ab der letzten Abzweigung nur mit einem zweiten Fahrzeug zu machen. Das nächste Mal würde er mich gerne begleiten.

    Während ich das schreibe, sind zwei Monate vergangen, und ich habe gerade einen WhatsApp-Gruß von ihm bekommen.

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    Richtung Marienfluss

    Nachdem ich die Oase verlasse, fahre ich mit relativ hoher Geschwindigkeit weiter Richtung Norden. Es macht Spaß, das Auto durch die weiten Ebenen zu treiben, durch dieses Niemandsland, in dem nicht mal Büsche wachsen.

    Freund Nummer 17

    Auf einer der Absenkungen, die ich durchfahre, treffe ich unerwartet auf einen Freund, Nummer 17. Er sitzt gemütlich auf einer Revierkante, einem dieser zeitlosen Flüsse in Namibia, die seit Jahrzehnten kein Wasser mehr haben. Er sitzt einfach da und schaut in die endlose Weite. Ich setze mich neben ihn.

    Unter uns liegen die Knochen von ausgeweideten Tieren, man erkennt Springbock- und Gemsbockgeweihe. Anscheinend kommt hier doch mal ab und zu jemand vorbei.

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    Warten an der Abzweigung

    Da ich noch einiges vorhabe und dafür Tageslicht brauche, fahre ich weiter. An der Abzweigung Marienfluss parke ich mein Auto, mache mir mein Lunch und warte. Auch am nächsten Tag kommt niemand vorbei. Schon gar nicht jemand, der weiter in den Norden möchte. Absolute Nebensaison, diesmal von Nachteil.

    Ich fahre ein deutliches Stück hinein. Man kann sie ja ahnen, die Bergbrücken der Hartmannberge und dahinter den Marienfluss. Ich teste noch mal mein Satellitentelefon. Kein Empfang.

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    Opuwo

    Ich kehre um und fahre die direkte Strecke nach Opuwo. Das war sicherlich meine bisher schlechteste Entscheidung, denn diese Straße ist eine wahnsinnige Tortur für das Auto. Harter Stein wechselt mit harten Steinanstiegen. Dann endlose Geröllflächen. Ich denke, dass das Reifengummi inzwischen in Fetzen an der Felge hängt. Auch mein Gehirn ist ziemlich durchgeschüttelt, und nach vier Stunden erreiche ich Opuwo.

    Ich nehme mir in der Lodge oberhalb der Stadt ein Zimmer und lasse mich am Abend gut bekochen. Zum ersten Mal wieder Internet. Seltsam.

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    Epupa 

    Ich weiche wieder den Wetterfronten im Osten aus und hangele mich zwischen den Giraffenbergen und den Zebrabergen bis hoch zum Kunene. Die Straßen bleiben einspurig, Gravel und Geröll wechseln sich ab.

    Klinik

    Die nächste größere Ansiedlung ist an den Epupa-Fällen. Von einem Ort kann man nicht reden. Es gibt nur eine Klinik mit einer Schwester, ansonsten nur Campingplätze. Man lebt hier vom Offroad-Tourismus.

    Die Klinik ist wichtig, da die Stämme, die hier leben, sich nicht an Grenzen gebunden fühlen und mal über den Fluss und mal auf der namibischen Seite wohnen. Gerade aus Angola kommen doch vermehrt Krankheiten. Ich sehe die ersten zwei Malariafälle, die im Krankenhaus behandelt werden. Die Saison hat begonnen.

    Sie gibt mir Antibiotika für die Durchfallerkrankung eines Mitcampers mit. Rechnungen oder so etwas gibt es hier nicht, reine Selbstverständlichkeit. Das, was da ist, wird verteilt.

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    Zwei Overlander

    Es hatte die Tage vorher am Kunene ziemlich geregnet. Danach war es drei, vier Tage wieder schön. Mir war es zu heikel, alleine zu fahren. Sagen wir mal so: Ich habe versprochen, keine unnötigen Risiken einzugehen.

    Dann hatte ich unabhängig voneinander zwei erfahrene Overlander getroffen. Ein Deutscher, mit Imodium wieder fahrtüchtig, und ein Namibianer. Evan lebt auf einer Farm in der Nähe von Kalkfeld. Die sind Regengüsse und überschwemmte Straßen gewohnt. Er hatte sehr gute Erfahrung mit der Überquerung von Furten und konnte gut die Konsistenz von dem Sand in den Flüssen einordnen.

    Teilweise haben wir größere Äste gelegt. Manchmal einen eigenen Umweg gesucht. Aber über allem ist die Strecke am Kunene entlang sehr spektakulär. Sie gibt alles her, was die Overlander erfreut, in einer landschaftlich sehr abwechslungsreichen Umgebung. Das Wetter stimmt, die Temperatur stimmt.

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    Himba

    Im Kaokoveld tauchen immer wieder kleine Ansiedlungen mitten im Nirgendwo auf. Meistens auf einer Fläche, von der aus sie die Umgebung beobachten können. Eine gewisse Sicherheit brauchen sie dann doch.

    Meistens gibt es ein Kral, um nachts die Ziegen zu sichern. Hütten sind typischerweise aus Lehm und rund gestaltet, manchmal auch viereckig. Wenn mal mehr Geld vorhanden ist, wird gerne Wellblech verwendet.

    Einige der Siedlungen wirken verlassen. Manchmal gibt es auch Kühe. Tagsüber sind die Tiere am liebsten im Straßenbereich, dort können sie besser laufen, und dort am Rand hat sich so etwas wie Vegetation gebildet.

    Die Himba-Frauen laufen in ihrer Tradition immer barbusig. Die Männer bleiben im Hintergrund, außer es ist eindeutig Alkohol im Spiel.

    Zeigt sich hier die Tragödie eines aussterbenden Volkes, das den Anschluss an die Moderne nicht schafft, die eigenen Traditionen im Werte aber längst verloren hat?

    Etoscha

    Etoscha habe ich schnell hinter mir gelassen. Wieder mal eine schlechte Erfahrung. Der Straßenzustand unmöglich, überteuert und voll mit Menschen in Viehtransportern, und keine Tiere. Es gibt einfach viel zu viel Wasser überall.

    Mount Etjo

    Mein nächster Stopp ist Mount Etjo. Die Gründungslodge von Namibia, gleichzeitig ein riesiges Conservancy, vor allem für Rhinos. Natürlich ist alles ausgebucht, selbst das Campsite. Selbstverständlich sucht man nach Lösungen. Ich werde im Apartment von Tour Guide Nummer 2 einquartiert.

    Abends beim Dinner bin ich Tour Guide 2. Um das Spiel gegenüber den anderen Gästen aufrechtzuerhalten, darf ich keinen Alkohol trinken. Aber auf diese Weise kam ich zu meinem Bush Walk zu den Rhinos.

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    Bush Walk zu den Rhinos

    Früh auf und fünf Stunden durch den Busch. Der Parkranger, der mich mitnimmt, Philippi, ist schon etwas älter und im Busch aufgewachsen. Keine Waffe, nur ein Stock.

    Es ist wirklich eine ganz andere Hausnummer, zu Fuß durch den Busch zu gehen, ohne Straßen. Die einzigen Wege sind die, die von den Tieren getrampelt worden sind. Die ersten Rhino-Tracks haben wir ausgelassen, weil da Löwenspuren gefolgt waren. Das andere Mal waren es Black-Rhino-Fährten, die wollten wir nicht, sie sind zu aggressiv.

    Wir laufen um zwei der gefährlichsten Tiere des Planeten herum. Der Stress war vorher eher bei der intellektuellen Verarbeitung. In der Natur schalten auch wir Menschen wieder auf den Instinktmodus.

    Man könnte meinen, so ein Rhino hinterlässt tiefe Spuren. Ich hätte die Fährte sicherlich zehnmal verloren. Am Ende haben wir eine Mutter mit ihrem Baby aufgespürt. Meine Güte, sind die ängstlich und nervös.

    Es ist pure Freude, diesen Tieren nahe zu kommen und sie zu beobachten, schutzlos und dennoch eingebunden. Ich lerne, dass Rhinos schlecht sehen, aber gut riechen. Wir wechseln die Windseite, und auf diese Art und Weise können wir lange Zeit folgen. Was für eine Erfahrung.

     Endkontrolle Windhoek

    Tja, ich bin immer noch in Windhuk. Eigentlich hatte ich heute Morgen schon ausgecheckt und war nur noch einmal zur Endkontrolle bei Bushlore: Motorwäsche, Zeltstangen und Kontrolle der Federung, denn die macht noch komische Geräusche.

    Leider war sich dort niemand so richtig sicher, was es ist. Die Suche geht morgen früh weiter. Das hat mich also noch einmal um einen Tag zurückgeworfen.

    Innenausbau

    Der Innenausbau ist inzwischen fertig und wirklich gut geworden. Bei der Elektronik musste allerdings noch ein Gerät ausgetauscht werden, weil fälschlicherweise statt eines Chargers ein Converter eingebaut worden war. Dadurch kam kein Strom von der Starterbatterie. Jetzt sollte das Problem aber behoben sein.

    Planänderung

    Ich hoffe, dass ich morgen endlich weiterkomme in Richtung Botswana. Dafür muss ich meinen Plan etwas anpassen und fahre wahrscheinlich zuerst in den äußersten Süden. Der Norden ist komplett überflutet. Eigentlich bin ich froh, dass ich nicht schon vor ein oder zwei Wochen dorthin gefahren bin. Dort sind einige Fahrzeuge auf der Strecke geblieben.

    Homepage

    Heute Abend versuche ich mich noch ein wenig an einer Homepage. Große Lust habe ich zwar nicht, aber was tut man nicht alles für Freunde.

  • 02 – Warmlaufen

    An einem Camper gibt es immer etwas zu ändern. Eine Kleinigkeit, die noch besser sitzen könnte. Eine Schraube, die anders sitzen müsste. Eine Entscheidung, die sich erst auf der Straße als richtig oder Schnapsidee zeigt.

    Zuletzt hatten wir Blattfedern für 500 Kilo eingebaut. Sie liegen stramm, fast störrisch, plan unter dem Fahrwerk. Die stärkeren für 800 kg  warten in Windhoek, nach dem ersten Rundlauf durch Namibia. Für jetzt genügt das. Zeit, das Auto auf die Straße zu setzen. 

    Die erste Strecke war Teerstraße. Ein sauberer Test. Höhere Geschwindigkeiten, Seitenwind, mögliche Schwammigkeit — alles ok.

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    Ich bin auf der Suche nach Orten, die ich bisher ausgelassen habe. Erstaunlicherweise war ich noch nie in Lüderitz. Eine Stadt im Sand am Meer, immer wieder verweht und wieder freigelegt. Der Wind geht durch die Straßen, als gehöre ihm der Ort. Das Meer ist rau. Alles wirkt wie aus einer anderen Zeit.

    Lüderitz
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    Lüderitz

    Hier esse ich Austern. 2,50€ auf Eis, Salz und Zitrone. Sie sind absurd gut. Eigentlich nur die Vorspeise zum Burger, aber mehr als das. Vielleicht, weil der Ort selbst eine Vorspeise ist, nie ganz Hauptgericht.

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    Es ist zu nett hier. Also fahre ich weiter.

    Ich fahre weiter hinunter zum Fish River Canyon. Dort beginnen jene Wege, auf denen sich ein Fahrzeug bewähren muss: schmal, steinig, eingerissen von kleinen Trockenflüssen, unerquicklich genug. Es ist absolute Nebensaison, ein Geschenk. Kein Mensch unterwegs. Die Fish River Lodge war geschlossen, aber man reicht mir trotzdem ein Getränk — eine  beiläufige Freundlichkeit. Wenn ich ablehne oder ausweiche, heisst es meistens “I insist!”

    Später wandere ich auf den Rim Trail. Spektakulär. Es gibt Landschaften, die sich fotografieren lassen, und andere, die sich dem entziehen. Diese gehört zur zweiten Art. Das Auge war noch immer das bessere Instrument, das Gehirn der verlässlichere Speicher.

    Fish River Rim

    Im Camper bewährten sich die Schlafmöglichkeiten ohne Einschränkung. Die Küchenzeile ohnehin. Der Kühlschrank war in Windhoek noch einmal so aufgefüllt worden, als müsse ich unterwegs ein kleines Restaurant betreiben. 

    In den nächsten Tagen zog ich durch das Küstenhinterland nach Norden, immer mit Blick auf die mächtigen Dünen gen Westen und östlich, die groben, rauen Berge, gegen jeden Kompromiss entstanden.

    Übernacht in einem abgelegenen Tal der Tirasberge. Am  Morgen Suche nach den letzten Wildpferden. Die Konzession gehört einem Südwester. Wir reden eine Weile und folgen der Scleifspur eines Leoparden, der  einen Springbock gerissen hatte.  Die Wildpferde können deswegen nur auf der anderen Seite der Hügel sein, doch zuerst mussten die Rinder geimpft werden. Es gibt einige Fälle von Lumpy-Skin-Disease. Nicht schön für das Vieh, aber für Menschen ungefährlich. Ein Aussage wie so vieles hier.

    Schleifspur

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    Die Reise geht weiter. Die Gravelpiste wird sandiger. Hin und wieder tauchen seitlich Oryx und Springböcke auf, begleiteten das Fahrzeug mit jener höflichen Distanz, die Wildtiere besser beherrschen als wir. Die Landschaft wechselt so scharf, dass ich denke, das Auto spürt es zuerst – mal rumpelnd, mal gleitend es über Wege, die kaum noch existieren. 

    Am Namib Rand, N/a’an ku sê „in Gottes Hand“ perfekter Platz. Unendliche Weite, Sonnenuntergang mit Mineralstaub, der nachglüht. Farben bleiben. Verändern sich. Verschwinden langsam.

    Kanaan

    Am nächsten Morgen lecker Spiegelei, turned over. Dann doch nach Sossusvlei, da fast keine Touristen. Abends allein im Deadvlei. Renne Dünen rauf, runter – purer Spaß. Farbenspiel wechselt mit der Sonne, selbst bei meiner Farbensehschwäche atemberaubend. Gleitschirm? Verboten. Aber am Meer warten andere Möglichkeiten.

    Sossusvlei
    Deadvlei
    Moonwalk

    Die Fahrt geht weiter in die Naukluft. Irgendwo am Wendekreis des Steinbocks steht ein riesiger Fels im Nichts. Mein Sternzeichen und kein Zufall.  Hirabeb wir kennen uns. Von hier rieselt der Sand bis ans Meer, 150km.

    Die Nacht ist intensiv. Kein Geräusch. Kein Rascheln. Nur der Wind. Das Dachzelt bewegt sich leicht. Später wird es kalt, wie es in der Wüste eben kalt wird. Ich hatte mir eine Decke gekauft und lege den Schlafsack darüber. Inzwischen schlief ich wieder länger als sieben Stunden, manchmal acht. Ich glaube, das war mir seit dreißig Jahren nicht mehr passiert.

    Am nächsten Tag geht es über die üblichen Wellblechpisten Richtung Walvis Bay. Nach tausend Kilometern Offroad erreiche ich  wieder Teerstraße. Es fühlt sich komisch an.

    In Walvis treffe ich Brave. Bushlore hatte ihm schwächere Hubfedern geschickt. Wir tauschten sie an der Hecktür der Kabine aus. Zuvor hatten wir stärkere eingebaut, weil an der Tür Sandbleche montiert waren und sie nach oben öffnete. Nun aber ließ sie sich von innen kaum noch schließen; die Federkraft arbeitete gegen jeden vernünftigen Bewegungsablauf. Ein gutes Beispiel dafür, dass zwei richtige Lösungen zusammen noch lange kein richtiges Ergebnis ergeben.

    Brave ist für Bushlore an der Küste der Mann für alles. Wenn ein Reifen platzt oder ein Wagen festsitzt, kümmert er sich darum. Wir kamen ins Gespräch. Ich lud ihn in der Mall zum Lunch ein, und dabei erzählte er von seinem zweiten Standbein: einer Schule, in der Caretaker und Front-Office-Assistents für Praxen und Apotheken ausgebildet wurden. Seine Idee ist schlicht und deshalb groß: die Ausbildung bezahlbar zu machen. Schon kleine Beträge waren für einen großen Teil der Bevölkerung eine Hürde von nahezu unüberwindlicher Höhe. Zugang zu Bildung ohne Geld war kaum möglich. Der Staat half beim Bewerben, nicht bei den laufenden Kosten. Diese trägt am Enden jeder selbst.

    ## Tankstellen-Anekdote: Die Absurdität des Geldes

    Beim Tanken wurde ich von einer Hilfskraft angesprochen – ob ich ausländisches Geld gegen Namibische Dollar (N$) eintauschen könnte. Es handelte sich um polnische Zloty; ich erklärte ihm lachend, damit könne er nur noch den Hintern abputzen. Dann hatte er eine Euro-Münze zum Tausch.

    Auf der Bank erledigen, meinte ich. Doch er hatte keinen Ausweis – der sei zu teuer, und das Geld brauche er dringend für Essen und Familie. Für kleinere Bankgeschäfte wie Umtausch ist eine ID notwendig.

    Namibia hat seit 2025 einen nationalen Mindestlohn von 18 N$/Stunde (ca. 0,90 €) eingeführt, für Aushilfen oder Farmarbeiter derzeit sogar nur 14–15 N$/Stunde (ca. 0,70 €). Bei 8 Stunden/Tag sind das magere 112 N$ (5,60 €) – kaum genug für Basics wie Brot (ca. 14 N$/Laib) oder Wasser (15 N$/Liter).

    ##

    Da ich die nächsten Tage in Swakopmund bei Rüdiger sein würde und Brave mich auf sein Projekt neugierig gemacht hatte, verabreden wir, uns die Schule die nächsten Tage gemeinsam anzusehen.

    Rüdiger war am Wochenende noch auf der Farm als ich am Samstag ankam. Ein Schlüssel war hinterlegt. Ich stelle das Auto in den Hof und übernachte zum ersten Mal seit der Abreise wieder in einem Bett.

    Am nächsten Tag hole ich meinen kleinen Gleitschirm hervor und tobe mich an den Dünen aus. Es ist die sanfteste Art des Fliegens, ein Spiel im Wind, barfuß, ohne Safty. Die Stunden vergingen buchstäblich in der Luft.

    Am Abend mit Rüdiger und Gisela stundenlang in der Küche. Wir reden über Gott und die Welt, obwohl es meist um viel Konkreteres geht. Lachen viel.

    Und mehr als ein Bier.

    Swakop

    Rüdiger u. Giesela

  • 01 – Ankunft

    Ankunft

    Windhoek, 14. Januar 2026.

    Erst einmal Bestandsaufnahme bei Bushlore. Auto inspizieren, Liste machen, Werkstätten suchen. Der Plan war klar: zwei Wochen Umbau – Winde, Bumper, Schnorchel, Lithiumbatterie, 340-Watt-Panel. Danach los.

    Wie so oft in Afrika: Der Plan hielt ungefähr zwei Tage.

    Aus zwei Wochen wurden drei. Und ich bin immer noch in Windhoek.

    Ein paar Dinge waren schnell erledigt, andere entwickelten ein Eigenleben. Polsterung musste neu, die Zeltplane wird ersetzt. Ein Safe wird eingebaut, zusätzlich ein doppelter Boden für Schlüssel. Eine Absperrhilfe für die Gangschaltung. Der Bumper kommt neu, die Winde auch. Für das Dach lasse ich eine Kiste nach Maß bauen. Dazu ein kleiner Durchlauferhitzer – Minimalversion.

    Der eigentliche Endgegner war die Bürokratie.

    Seit Mittwoch habe ich endlich meine TRN – Traffic Registration Number. Ohne die läuft hier gar nichts. Das war die größte Hürde. Der Rest ist vergleichsweise einfach. Nächste Woche kommt noch das Carnet de Passage, dann ist die Papierseite erledigt.

    Der Alltag in Windhoek besteht derzeit aus Werkstätten, Ersatzteilläden und Baumärkten.
    Ich kaufe Dinge, von denen ich vor vier Wochen noch nicht wusste, dass ich sie brauche: Geyser, Akkuschrauber, Starthilfe, Schmierfette, Abschleppseile, Benzinkanister. Nebenbei kümmere ich mich um das Logo fürs Auto und diverse Sicherheitsdetails.

    Ich habe gelernt wie man Reifen repariert und wechselt. In Zwischenzeit kenne ich alle Filtersysteme im Auto auswendig.

    Dazwischen: TÜV, Versicherung, Papierkram.

    Die Versicherung ist übrigens erstaunlich solide. Sie deckt sogar Diebstahl von Kamera, Gleitschirm und anderem Equipment – und das für alle Länder, durch die die Reise führen soll.

    Windhoek selbst ist keine Stadt, in der man sich lange aufhalten möchte. Nicht besonders schön, nicht besonders fotogen. Aber die Menschen hier haben eine bemerkenswerte Fähigkeit: Sie finden Lösungen.

    Das gefällt mir.

    Am Anfang lag ich häufiger unter dem Auto als ich darin saß. Inzwischen wird es ruhiger. Ich bin ein paar Tage draußen auf der Farm meines alten Freundes Rüdiger. Etwas Internet, viel Himmel, viel Platz.

    Langsam komme ich runter.

    Mir geht’s gut. 👍

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