Lusaka – South Luangwa
Am nächsten Morgen geht es wieder auf die Straße, zurück nach Lusaka. Dann weiter in den Osten. Und diesmal direkt hindurch.
Dass der Untergrund bis zur Grenze nach Malawi Teer ist, muss ich erst einmal verinnerlichen. Die Geschwindigkeit wird nun durch Vorschriften bestimmt, Polizeikontrollen, mögliche Beschilderung. Bisher hatte die „Road“ meine volle Konzentration gebraucht.
Dann schwimmen wir durch das Innere von Lusaka.




Die Geschwindigkeit wird durch Händler und Fußgänger bestimmt. Manche Bereiche sind dadurch enger, als mein Auto breit ist. Irgendwie erinnert mich das an die Bugwelle bei Wasserdurchfahrten.
Nach gefühlt einer Stunde sind wir durch, überqueren eine große Bahnbrücke und die Straßen werden breit und großzügig. Hier gibt es auch größere Supermärkte und wir decken uns ausreichend ein.
Etwas außerhalb liegt ein Safari Camp, unsere Übernachtung. Es ist bekannt dafür, Safari-Touren in ganz Sambia zu unternehmen. Ich hoffe, aktuelle Informationen zu bekommen.
Sie haben gerade ein Team in den Kafue geschickt.
Da kommen wir her.
Okay.
Der Lower Zambezi ist näher, aber noch zu nass. Und das eigene Camp im North Luangwa wird erst nächste Woche geöffnet. Wahrscheinlich.
Ich sehe schon, es ist keine richtige Hilfe.
Die Entfernungen in Sambia sind weit und es gibt einen festen Termin: Annes Flug zurück von Livingstone.
Also erst in den Osten, in den schon trockenen South Luangwa. Und wenn es am Sambesi nicht noch einmal regnet, anschließend dorthin.
Wir verbringen zwei Tage mit Autofahren auf der Great East Road.
Der erste Abschnitt ist wie schon bekannt, nur noch mehr Potholes, denen man ausweichen muss. Auch die LKW kennen wir schon.

Anne löst mich am Steuer ab. Kein Problem, wenn da nicht Blinker und Scheibenwischer seitenvertauscht wären.
Auf dieser Strecke liegt eine strategische Stelle: die Luangwa Bridge.
Bewacht, und immer nur ein einziges Fahrzeug darf die Brücke überqueren.
Ab hier hat die EU die Straße weiter bis nach Malawi ausgebaut. Es gibt Seitenstreifen, Ablaufrinnen für größere Regenfälle und Leitplanken.
Bei den ersten 50 Kilometern haben sie den falschen Teer genommen. Ich verstehe das nicht. Dieser Flüsterteer, der durch den Schwerlastverkehr bei Hitze massive Rinnen bildet.

Gab es den zum Sonderpreis?
Danach wird es gut bis sehr gut.
Auf halber Strecke bis zur Grenzstadt Chipata übernachten wir.

Eine von diesen Straßenlodges mit Campingmöglichkeit. Der Platz liegt hinter der Lodge und macht einen halbwegs guten Eindruck.
Was wir nicht sehen: Dahinter ist eine Tankstelle.
Und in der Nacht wird diese immer wieder angefahren. Die Leute bleiben im Auto sitzen und hupen laut.
Ich glaube, das war bisher mein schlechtester Übernachtungsplatz.
Soll heißen: nach vier Monaten!
Es fällt uns nicht schwer, am nächsten Morgen früh loszufahren.
Natürlich nach dem Kaffee.
Der nächste Ort, den wir durchqueren, ist Katete.
Warum ich das erwähne?
Es ist ein Ort mit abgegrenzten Fußgänger- und Fahrstreifen, einer Wasserführung und Geschäften, die nicht direkt in der Straße liegen.

Der einzige Ort in ganz Sambia.
Sie nennen das hier Pilotprojekt.
Warum auch immer hier. Wahrscheinlich weil hier der Schwerlastverkehr aus Mosambik von Süden dazukommt.
Warum die Leute ausgerechnet hier so viel Fahrrad fahren, keine Ahnung. Auf jeden Fall gibt es mehr Fahrradtaxis als Motorradtaxis.

Wir machen kurz Pause und decken uns noch einmal mit frischem Gemüse ein, vor allem Avocados und Tomaten.


Anne kauft Brot.
Danach fahren wir weiter bis Chipata, der Grenzstadt zu Malawi.
Wir wollen uns hier nicht lange aufhalten, tanken noch einmal auf und fahren dann Richtung Norden zum Luangwa.
Die Straße wird sofort schlechter.
Ich hasse diese kaputten Teerstraßen. Lieber fahre ich durch diverse Wassersenken als durch diese aufgerissenen Löcher im Asphalt.
Mein Auto gibt mir recht.
Allmählich senkt sich die Landschaft. Die Temperatur steigt langsam und es wird feuchter.

Wir nähern uns dem Flusslauf.

Unser Ziel ist das Wildlife Camp. Es liegt direkt am Fluss in einer Schleife, aber noch außerhalb des Parks. Diesen Tipp habe ich aus unterschiedlichen Quellen bekommen, unter anderem aus Kalala.
Der Empfang ist herzlich, wie immer.
Wir haben nicht gebucht.
Wir bekommen einen Platz direkt am Fluss.

Das Camp ist groß. Eine Lodge ist angeschlossen, es gibt einen Pool und ein Restaurant, wenn man möchte. Alles ist fußläufig.
Nur nicht bei Nacht.
Im Camp sind Hippos an der Tagesordnung, manchmal auch Löwen.
Was will man mehr.
An diesem Nachmittag haben wir einen wunderschönen Sonnenuntergang direkt vor der Haustür.


Es ist einer dieser grandiosen Afrikaabende mit Sundowner, Vogelgesang, Impalas, die über die Flussbänke spazieren, und Hippo-Geräuschen überall.
Hier lässt es sich aushalten.
Wir sind für drei Nächte hier.
Es werden fünf.
Es stimmt einfach.
Wir unternehmen mehrfach Fahrten mit den campeigenen Autos und bekommen einen ausgezeichneten Guide gestellt. Wir machen ausgedehnte Tagesfahrten, gehen auf Fußsafari und Night Drive.
Die Landschaft ist wunderschön. Die Flusslandschaft wechselt von offenen Flächen zu lichtem Buschland und einzelnen zugewachsenen Lagunen, die wie eine saftige Wiese aussehen.


Nilpferde lieben es, sich durch den Wassersalat zu wühlen. Wenn sie dann an Land sind, sieht es aus, als wären sie mit Salat garniert.
Eine Fußsafari in Sambia besteht immer aus einem Guide und einem Ranger. Beide haben unterschiedliche Ausbildungen. Der Ranger hat immer ein Gewehr dabei.
Wir sind zu fünft. Eine Lokal im 2. Lehrjahr zu Safariguide Ausbildung begleitet uns.

Unser Guide macht den Fußmarsch so spannend, dass selbst die Ablenkung durch die Geräusche hinter den Büschen verschwindet.


Es geht um Rain Trees und darum, wie sie sich gegenüber den Tieren schützen. Wie eine der kleinen Big Five, die Löwen-Ameise, ihren Trichter baut und als Falle benutzt. Wie man mit Impala-Kötteln Weitspucken veranstaltet. Welche Blätter und welche Borke man als Tee verwenden kann und welche zu medizinischen Zwecken.

Und natürlich die unterschiedlichen Spuren. Wie man ihr Alter bestimmt und die Größe der Tiere abschätzen lernt.


Dass in einem Sausage Tree gerne Paviane sitzen. Darunter versammeln sich die Gazellen und fressen die heruntergefallenen Früchte. Der Leopard weiß das auch und sucht sich deshalb gerne diese Bäume aus.

Diese Spur ist kein Löwe, sondern ein Leopard. Wir begegnen Impalas und Giraffen.
Wie alt ist der Elefantendung? Kann man ihn zur Abschreckung gegen Moskitos verwenden?
Dann ist da diese seltsame Situation. Unsere Begleiterin fasst mich plötzlich an der Hand, zittert leicht und möchte nicht mehr loslassen. Sie gesteht mir, dass sie unheimliche Angst vor Giraffen hat.
„Nature Don’t Want to harm You“
Das ist meine wichtigste Erkenntnis im Busch. Es hilft ihr auch, nach 3 Minuten geht es weiter.
Zum Ende ist da der Elefantenbulle in der Musth. Sein Hormonüberschuss möchte irgendetwas zusammentreten.

Zum Glück sind wir wieder in der Nähe des Land Rovers.

Der auch noch richtig herumsteht.
Ich bin nun schon lange in Afrika und auch in früheren Jahren viel im Busch unterwegs gewesen.
Ich habe aber noch nie einen Leoparden gesehen.

An einem Tag sehen wir vier!

Mal im Busch versteckt, kaum auszumachen.

Was für eine Tarnung.
Dann geht einer den Weg entlang und wir können im Schritttempo nebenherfahren.
Ein anderer wartet am Tümpel, lauert auf eine Ente, um sie dann mit einem Sprung zu jagen.
Ein unglaublich edles Tier.
Hätte ich nicht ein Video aus Namibia gesehen, in dem man einen Leoparden in einem Käfig gefangen hatte. Er hat die Gitterstäbe einfach aufgebogen.
Oder ein anderes, in dem ein Leopard einen Pavian über mehrere Bäume jagt, um ihn dann vor der gesamten Horde zu verspeisen.
Zwei Tage verbringen wir einfach im Camp und beobachten das Treiben.
Impalas und Wasserböcke ziehen durch das Camp zum Wasser, keine 20 Meter entfernt.

Hippos kommen zum Grasen auf die Wiesen im Camp. Man hört sie schmatzen und dann schleudern sie ihren Dung mit dem rotierenden Schwänzchen durch die Gegend.

Einzelne Fischer staken in ihren Einbäumen vorsichtig an den vielen großen Gruppen von Hippos vorbei.
Ein Krokodil fasst einen Reiher und zieht ihn ins Wasser.

Oder das große Gemetzel der Krokodile, die ein kleines Hippo gefasst haben.
Elf an der Zahl.
Gejagt von den großen Hippos.
In der Strömung sieht man die Rotfärbung über eine Strecke von 100 Metern.
An so einem Ort trifft man nette Menschen. Menschen, die neugierig auf die Natur sind und bereit, sich auf sie einzulassen.
Duncan und Jennifer sind für ein verlängertes Wochenende aus Malawi gekommen. Die Ausrüstung ist einfach. Geschlafen wird in einem Zelt.
In Malawi kann man fast keine Ausrüstung besorgen, erzählen sie.
Er hat eine Farm. Sie ist Osteopathin, die einzige in Malawi.
Ihre Mutter liegt im Sterben in Kapstadt.
Sie bekommen meinen Starlink-Zugang.
Wir trinken und erzählen.
Ich bin neugierig auf Malawi, mein nächstes Reiseziel.
Sie laden mich herzlich auf ihre Farm ein und ich verspreche, mich zu melden.
Am nächsten Tag wollen wir weiter.
Zurück in den Westen.
Denn in zehn Tagen müssen wir wieder in Livingstone sein.
Und das Land hat natürlich noch viel mehr zu bieten.

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