05 – Zentralkalahari

Zentralkalahari

Seit zehn Tagen hat es im Inneren Botswanas nicht mehr geregnet. Dort draußen, wo die Central Kalahari beginnt.

Das Gras wird hoch sein, aber die Wege sollten inzwischen wieder passierbar sein.

Diesel ist aufgefüllt. Wasser ausreichend vorhanden. Der Kühlschrank für mindestens eine Woche bestückt.

Also geht es los.

Durch die Wildnis, in der „Cry of the Kalahari“ entstanden ist.

Direkt von Ghanzi in den Park zu fahren wäre zu einfach gewesen. Dann hätte ich bei Problemen gleich wieder zurück in die Werkstatt fahren können.

Also nehme ich den Umweg entlang des nördlichen Grenzzauns bis zum Tau Gate. Die Strecke wird auch von den Rangern genutzt.

Vierzig Kilometer einspurig. Links dauerhaft der Zaun. Rechts hohes Gras.

Nicht besonders spannend, aber gut fahrbar.

Die Wasserlöcher sind weitgehend abgetrocknet, der Untergrund bietet ordentlich Grip.

Ich erreiche das Gate in der Abendsonne.

Der Wolkenzug über der Ebene ist gigantisch.

Für die Weiterfahrt in den Park ist es längst zu spät.

Das Gate wirkt halb verlassen. Das Gras steht meterhoch. Die beiden Elefanten gegenüber fallen darin kaum auf.

Ich bin der einzige Besucher.

Heute bleibt es bei Gemüsesuppe und einer Nacht am Gate.

——

Die Weiterfahrt erzählt ihre eigene Geschichte.

Abschnitte mit gut befahrbaren Wegen wechseln sich mit komplett eingewachsenen Buschpisten ab. Teilweise passabel. Teilweise unerquicklich.

Das Gras ist einfach zu hoch.

Tiere sehe ich trotzdem genug.

Immer wieder verbringe ich Zeit an offenen Wasserlöchern. Wildgänse, Geier und Schakale teilen sich die Bühne. Im Hintergrund zieht eine Herde Oryx vorbei.

Kaum ist das Schauspiel vorbei, beginnt wieder die Arbeit auf den Pisten.

Bereits nach dem ersten Tag ist das Auto komplett mit Schlamm verschmiert.

Ich verbrauche mehr Brauchwasser zum Reinigen der Scheiben als geplant.

Nun gut.

Der Tank ist voll.

Der mir zugewiesene Campspot ist komplett zugewachsen.

Hier hat seit über einem Jahr niemand mehr gestanden.

Nicht einmal die Türen lassen sich vernünftig öffnen.

In dieser Gegend ist mir das zu ungemütlich.

Zu gefährlich.

Also fahre ich weiter.

Durch Schlamm, durch Busch und in der Hoffnung, dass einer der wenigen alternativen Plätze noch frei ist.

Unterwegs treffe ich ein südafrikanisches Ehepaar.

Sie stecken im Schlamm fest.

Nicht weil das Auto festgefahren wäre, sondern weil der Anlasser aufgegeben hat.

Also keine Bergung.

Nur Starthilfe.

Danach teilen wir uns ihren Campsite.

Wir sind früh dran. Waschen den Schlamm von den Autos. Trinken einen Sundowner. Schauen über die Pfanne.

Später gibt es das übliche Braai und ein selbst gebackenes Brot direkt aus der Glut.

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns herzlich.

Sie fahren aus dem Park.

Ohne funktionierenden Anlasser ist das Abenteuer irgendwann keines mehr.

Ich übernehme ihren Platz.

Für die nächsten zwei Tage gehört mir die Sunday Pan allein.

Vor zwei Wochen stand hier noch Wasser.

Jetzt wagen sich die ersten Antilopen wieder auf die Oberfläche hinaus.

Der Kreislauf beginnt von vorn.

Danach verlasse ich den Park Richtung Osten.

Es gibt mir hier zu wenig Leben.

Zu viel Busch.

Zu wenig Sicht.

Ich spreche lange mit verschiedenen Rangern.

Die Informationen sind spärlich.

Einer erwähnt beiläufig, dass sich die großen Zebraherden nach Norden bewegt hätten.

Das klingt logisch.

Dort oben ist es früher trocken geworden.

Also richte ich den Kompass neu aus.

Der Shortcut bringt mich zurück auf die große Ost-West-Verbindung im Norden Botswanas.

Teerstraße.

Der Tank ist allerdings nicht voll genug für die nördlichen Pfannen.

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Maun

Ich beschließe, noch einmal nach Westen zu fahren.

Nach Maun.

Von hier aus gerade einmal eine Stunde.

Dort gibt es eine Niederlassung von Bushlore.

Außerdem möchte ich das Auto ohnehin einmal komplett durchsehen lassen.

Und reinigen.

Bei Bushlore werde ich mit großem Hallo empfangen.

Zwei Fahrer aus Windhoek sind ebenfalls vor Ort.

Brendan erzählt mir lachend, dass sie vor einer halben Stunde noch über mein Auto diskutiert hätten, als ich ihnen plötzlich entgegenkam.

Meine Karre scheint Eindruck zu hinterlassen.

Das Auto bekommt eine Grundreinigung.

Aus dem Kühlerfilter holen sie fast zwei Kilogramm Grassamen heraus.

Danach übernachte ich in der Nähe der Okavango Craft Brewery.

Es gibt viel zu erzählen.

Brendan verspricht, später im Jahr regelmäßig meine namibische SIM-Karte aufzuladen.

Praktische Freundschaften sind in Afrika viel wert.

Maun wirkt jung.

Fast ein wenig wie eine Goldgräberstadt.

Die Stadt ist in den letzten zehn Jahren stark gewachsen. Neue Einkaufszentren, neue Hotels, neue Menschen.

Das Tor zum Okavango.

Jeden Morgen starten hier gegen sechs Uhr rund siebzig Flugzeuge zu Rundflügen über das Delta.

Eine leichte Hektik.

Afrikanische Hektik.

Erfrischend.

Ich tanke auf.

Dann geht es weiter zu den Nxai Pans.

Dort sollen die Herden sein.

Kommentare

3 Kommentare zu „05 – Zentralkalahari“

  1. Avatar von Jörg
    Jörg

    Tolle, spannende Erlebnisberichte, lieber Bruderherz. Pass auf dich auf und bis bald.

  2. Avatar von Oliver
    Oliver

    Wieder laut in einem Stück durchgelesen, da leg ich glatt Karen Blixen zur Seite 😉
    Wünsche eine angenehme Weiterreise!

  3. Avatar von Thomas Michael Rossbach
    Thomas Michael Rossbach

    Tolle Erlebnisse, mein Lieber. Bin voller Bewunderung, wie Du das alles so hinkriegst.

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